Was wäre wenn…

Bewusste Entscheidung für eine Kanüle?

Was wäre wenn….. ich mich für die Kanüle bewusst hätte entscheiden müssen?

Ich weiss es nicht. Ich denke ja aber ab und an kommen Zweifel. Wenn die Abhängigkeit von den Pflegekräften wieder einmal sehr bewusst wird. Das passiert bei zwischenmenschlichen Konflikten, Befindlichkeiten auf beiden Seiten und am schlimmsten wenn es zu Fahrlässigkeiten kommt oder gar bei offensichtlicher Dummheit gepaart mit Ablehnung eines Lernprozesses.

Bisher kam ich immer schnell auch wieder auf gute Erlebnisse zurück, es war immer nur eine kurze Phase mit dem Gedanken „vielleicht wäre es besser gewesen in der damaligen Krise nicht zu überleben“. Aber nein ich habe genügend Gründe zu leben. Ich frage mich in solchen Phasen dann oft „Wer auch immer da zuständig ist, wieso denkt der, dass mir vor der Kanüle langweilig war und ich nun durch die Kanüle so viel erleben soll“. Ich würde gerne weniger erleben;-)

Jetzt durch Spahn kommt aber die Frage wieder auf (sie setzt sich geradezu fest) kann man sich in der aktuellen Phase bewusst für eine Kanüle entscheiden?

Ich selbst habe keine Entscheidung für die Kanüle getroffen. Ich war bewusstlos, im künstlichen Koma. Es war keine akute Notsituation, in der die Ärzte das ohne Einwilligung machen dürfen. Also wurde meine Tochter gerichtlich eingesetzt um die Entscheidung zu treffen. Hatte sie eine Wahl? Nein wenn ich wieder zu Bewusstsein kommen sollte, war das der einzige Weg.

Wie sehen das aber Patienten, die sich bewusst für eine Kanüle entscheiden (müssen)? Und geht das jetzt nach Spahn noch? Die Patienten, die sich nach der Gesetzesreform für die Kanüle entscheiden würden, müssten dann sofort ins Heim. Wir anderen hätten ja noch 3 Jahre Bestandsschutz.

Wer muss selbst die Entscheidung treffen? Das sind Menschen, die im Verlauf chronischer Krankheiten an den Punkt kommen, dass sie immer schlechter atmen können. Zuerst wird dann meistens Beatmung in einer leichten Form nötig. Das geht über Masken. Problematisch wird es dann, wenn die Beatmung immer länger nötig wird, auch tagsüber. Der Schritt zur Kanüle ist für viele Patienten schwer obwohl sie die Beatmung erheblich erleichtert. Da die Kanüle die Beatmungsluft direkt in die Trachea leitet. Bei Beatmung über eine Maske über Mund und Nase oder auch nur Nase landet die Luft zuerst im Rachen und hat da dann nicht nur die Luft- sondern auch die Speiseröhre.
Trotzdem scheint die Vorstellung von einem Lufttröhrenschnitt extrem abzuschrecken.

Da könnte ich beruhigen über die Kanüle beatmet zu werden ist viel angenehmer als über eine Maske. Die Kanüle spürt man nur, wenn sie falsch sitzt. Meistens spielt die Kanüle mit und sie ist wirklich ein Teil von mir.

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