Atemlos

„Was passiert wenn nachts auf der Intensivstation der Strom ausfällt? … Atemlos durch die Nacht“

Ende 2013 veröffentlicht Helene Fischer ein Lied, das mich verfolgen wird. Das Lied an sich ist gar nicht das Problem auch wenn es absolut nicht meinen Musikgeschmack trifft sondern der obige Witz, der recht bald in der Pflegeszene kursiert.

Natürlich kann man auch über schlimme Dinge Witze machen. Man sagt dann ja gerne Galgenhumor. Nur Galenhumor kann eigentlich nur der haben, der am Galgen hängt und nicht die, die drum herum stehen.

Außer Atem zu sein kennt jeder von uns. Nach Anstrengungen erleben wir dieses Gefühl. In der Regel erleben wir dann aber nicht, dass wir gar nicht mehr atmen können. Sondern es wird einfach schwerer zu atmen. Bei mir ist es so, dass ich in solchen Situationen die Kontrolle über meinen Körper verliere. Mir laufen die Tränen. Ich werde inkontinent. Spüre auch mal Schmerzen in Bronchien und Lunge. Alles nicht schön – ist aber so…

Wie ist es aber atemlos zu sein? Zum Glück ist es nur ein kurzer Moment und dann ist man „weg“.

Das Schlimmere ist das „zurückkommen“. Das geht ganz viel langsamer. Das bekommt man viel bewusster mit. Man kämpft zuerst gegen den Ambubeutel an. Man muss den Rhythmus akzeptieren, in dem man bebeutelt wird. Das ist schwierig denn zuerst kämpft man instinktiv gegen den Beutel. Man will einfach selber atmen und kann das dann aber nicht. Ich hatte das Gefühl mich aus einem Loch hocharbeiten zu müssen, bin bei schlechteren Sättigungswerten regelrecht nach unten gerutscht. Die Menschen, die um mein Bett herum standen waren verschwommen. Details aber teilweise sehr klar. Stimmen waren dumpf aber ich habe jedes Wort verstanden und es war klar es geht um Alles.

Atemlos zu sein (mit genau diesen Folgen) habe ich dreimal erlebt. Alle drei Momente wurden durch Fehler von Pflegekäften und Ärzten in bzw. zum Ende der Nacht ausgelöst. Es ist ein bescheidenes Erlebnis, dass ich nie wieder durchleben möchte.

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